Montag, 8. Juli 2013

Piercing für Anfänger

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da wäre ich nicht ohne meine Ohrringe
aus dem Haus gegangen. Irgendwie gehören sie für mich zu einem
gelungenen Outfit dazu. Mit der Zeit bin ich da etwas entspannter
geworden: ich steuere nicht direkt den nächsten Modeschmuckladen an,
wenn ich mal ohne Ohrringe unterwegs bin.

Meine Liebe zu den beiden Löchern in meinen Ohren begann kurz vor
meiner Einschulung. Damals mußte man noch ins Krankenhaus gehen um sich
Ohrlöcher stechen zu lassen. Mit einer ganz normalen Spritze wurden dann
die Löcher in die Ohren gestochen. Heute macht das jeder Hinz und Kunz
mit diesen "Schnellschußpistolen".

Eines lieben Tages - es muß Mitten in der Pubertät gewesen sein - kamen
meine Schwester und ich auf die Idee uns jeder noch ein 3. Ohrloch stechen
zu lassen. Als wir vom Sommerurlaub in Italien auf dem Weg zurück nach Hause
waren, wollten wir unser Vorhaben dann im tiefsten Oberbayern in die Tat umsetzen.
Um nicht die lange Strecke in einem Rutsch durchfahren zu müssen, machten wir
kurz hinter der österreichischen Grenze immer für ein paar Nächte Halt und außerdem
kannte uns bis dahin dort ja noch niemand.

Noch trunken vom Sommerferienfeeling in bella Italia trafen wir diese wild verwegene
Entscheidung. Also gingen wir zum besten (und auch einzigen) Juwelier am Platze und
erklärten unser Anliegen. Die Verkäuferin starrte uns sofort auf die Ohren und guckte
ganz verwirrt: "Sie haben doch schon Ohrlöcher...?!" Mittels erneuter Erklärungen und
einer kleinen Zeichnung konnten wir ihr verständlich machen was wir von ihr wollten.
Als sie endlich verstanden hatte was sie tun sollte, rief sie erstmal das gesamte
Personal zusammen. Wir kamen uns vor wie die Frau mit Bart und der Elefantenmensch zusammen.
Unter Staunen und vielen Ah´s und Oh´s wurde der Kugelschreiber gezückt und die Stellen
markiert an denen die neuen Ohrlöcher gestochen werden sollten. Der Rest verlief dann recht
schnell und unkompliziert. Aber wir waren bestimmt noch lange als die "verrückten Preißn"
im neusten Dorfklatsch verschrien...

Zum Glück hatte zu der Zeit noch niemand ein Handy, sonst hätten wir uns
wahrscheinlich später in einem Filmchen auf Youtube wiedergefunden...
Heute wären wir mit unserem damals noch verwegenen 3. Ohrloch keine Attraktion mehr,
es sei denn, wir hätten dieses in einem dritten Ohr!

Trotzdem gilt für mich immernoch: "Nicht ohne meine Ohrringe!"

Bis dahin!
YPSILON


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